Der Ruf nach Abenteuer

Hochwassermonster
entbrennt in mir jedes Jahr aufs Neue. Viele Angeltouren führten mich in den letzten Jahren durch ganz Europa. Immer wieder kehre ich gern nach Italien, an den Fluss Po zurück. Das Wels-Camp-am-Po der Familie Heiner dient mir immer zuverlässig als Basis. Bei meinen ersten Besuchen vor 10 Jahren, vor dem Ausbruch des „Wallerbooms“, war dort die Angelei noch recht einfach. Simple Posen und Grundmontagen brachten viele und auch schon damals große Fische. In den letzten Jahren pilgerten Herrscharen von Anglern aus ganz Europa an den großen Fluss, um dort den Fisch Ihres Lebens zu fangen. Einigen ist es gelungen, vielen nicht…..

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Im November 2014 ging es nun wieder für 2 Wochen an den Fiume Po. Der Fluss empfing uns mit einem sehr niedrigen Wasserstand. In den ersten Tagen waren noch T-Shirts und kurze Hosen angesagt. Eine spannende Feederangelei auf Karpfen und Barben verkürzte uns die wenigen Tageslichtstunden. Die ausgelegten Steinmontagen brachten in den Nachtstunden nur sporadisch Aktionen. Die Fische wussten dass sich in den nächsten Tagen alles ändern sollte!

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Die Wettervorhersagen kündigten starke Niederschläge an. In den Einzugsgebieten des Flusses, im Bereich Mailand regnete es schon seit Tagen. Innerhalb weniger Stunden veränderte der Strom sein Bild. Das Wasser begann zu quirlen, es bildeten sich Strudel und die Sichtigkeit des flüssigen Elements wandelte sich in eine zähflüssige braune Masse. Auf der Oberfläche schoben sich große Schaumfelder Richtung Adria. Die Nacht des Wandels verging ohne Schlaf. Jede Stunde beobachten wir das kleine Stöckchen, welches uns die Veränderung anzeigen sollte. Wenige Stunden später war es gänzlich verschwunden. Der Sand unter unseren Füssen begann zu bröckeln und rutschte unaufhaltsam in den Fluss. Kurz vor dem Morgengrauen mussten wir den Platz den Naturgewalten überlassen. Über Nacht war damit bereits ein Wasseranstieg von 2,50m zu verzeichnen. So hart wie sich diese Schilderung anhört, aber uns wurde schlagartig wieder bewusst warum wir hier waren. Wir wollten genau diese Situation, wir wollten Härte, wir wollten den Fressrausch der Waller vor dem Wintereinbruch nutzen. Bereits in dieser ersten Nacht des Anstiegs gingen unsere Ruten fast stündlich krumm.

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Nach einem kurzen morgendlichen Zwischenstopp bei unseren Gastgebern (www.wels-camp-am-po.de) und einem Aufstocken unserer Vorräte bezogen wir einen neuen Platz. Diesen wollten wir über die nächsten Tage unbedingt halten. Es handelte sich um einen unscheinbaren Nebenarm der bei Hochwasser die Giganten magisch anziehen sollte. Unser Lager errichteten wir vorsorglich deutlich erhöht in den ersten Baumreihen vor dem Hochwasserdamm. Unsere Montagen spannten wir über den kleinen Arm hoch in die Äste des gegenüberliegenden Ufers. Kleine Ufervorsprünge und Büsche dienten als Schutz vor Treibgut und Strömungsdruck. Unsere Köder arbeiten damit sauber in unterschiedlichen Tiefen und fanden schnell die Ersten Abnehmer. Die erste Nacht am neuen Platz war aufregend und kräftezehrend zu gleich. Wir waren nur beschäftigt Fische zu drillen, neue Montagen zu knüpfen und Ruten neu auszubringen. An Essen oder Schlaf war nicht zu denken. Erst im Morgengrauen wurde uns bewusst welchen Wahnsinn wir grad erleben durften.
Nach einem deftigen Frühstück ging es erstmal für ein paar Stunden in den Schlafsack.

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Am späten Nachmittag weckte uns ein junger, italienischer Jagdhund. Schwanzwedelt forderte er uns auf die Liegen zu verlassen und uns wieder auf die nächste Nacht vor zu bereiten.

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Das Wasser war abermals um 2 Meter gestiegen. Um mit unseren Kräften wie auch Ködern etwas Haus zu halten, beschränkten wir uns auf zwei anstatt der erlaubten sechs Ruten. Diese wurden fort an ständig angepasst um sie immer optimal zu präsentieren. Selbst nach der Reduzierung der Ruten folgten weitere schlaflose Nächte. Jede Nacht fingen wir 6-10 Fische darunter mehre Fische die die Magische Grenze von 2m deutlich überschritten. Rutine machte sich breit, viele ungemessene Fische wurden direkt im Wasser wieder vom Haken gelöst. Die wenigen Tagesstunden nutzten wir zur Erholung und zum Optimieren unserer Taktik.

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Unsere Köder spanten wir stromab, in Wassertiefen von zwei bis fünf Meter, kurz über dem Gewässergrund an kleinen Kanten. Dazu verwendeten wir leicht Inline Bleie ca. 50cm vor unserem Einzelhaken. Als nahezu perfekt erwies sich dabei die Verwendung der Haarmontage. Nur äußerst selten hatten wir Fehlbisse und der „Fanghaken“ saß immer sauber mit Winkel des Wallermauls. Ein durch gebundenes Mono Vorfach erhielt von uns die Bestnote und hat sich nach so vielen Fischen absolut bewehrt.

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Das große Fressen hielt an. Nach weiteren 6 Nächten an diesem Platz waren wir aber restlos erschöpft. Die Hände waren zerschunden und der immer noch andauernde Wasseranstieg zwang uns auch diesen Platz zu verlassen. Das Wasser lief bereits in die angrenzenden Wälder und hatte einen Stand von 7,50 Meter über Normal erreicht. An eine sinnvolle Uferangelei war nicht mehr zu denken. Einige Stunden verbrachten wir noch mit Spinnfischen und faszinierenden Beobachtungen. Springende Adriastöre zeigten sich regelmäßig in strömungsarmen Bereichen. Solch ein uriges Geschöpf steht ab sofort ganz oben auf meiner Wunschliste.

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In Nord-Italien hatte es bereits mehrere Todesopfer durch Erdrutsche und Überschwemmung gegeben. Erste Evakuierungsmaßnahmen wurden ebenfalls in unserer Provinz angekündigt. Weitere 2 Meter Wasseranstieg wurde vorhergesagt. Damit deutete alles auf die Zustände des Jahrhunderthochwassers im Jahre 2000 hin.
Die Anwohner der Po Ebene sind solchen „Kummer“ gewohnt, uns stand aber nicht der Sinn nach Katastrophen-Tourismus. So verließen wir Italien, mit den besten Wünschen zwei Tage früher als geplant.