Zanderangeln in der dunklen Zeit

Als passionierter Kunstköderangler gibt es natürlich auch für mich einen Zielfisch der durch seine geheimnisvolle Lebensweise besonders anziehend ist. Die Rede ist von unserem allseits beliebten Zander. Die folgenden Zeilen beziehen sich auf mein Hausgewässer, die Havel. Ebenso lassen sich aber vielleicht auch Rückschlüsse auf andere Gewässer in Europa und vor allem hier in Deutschland ziehen. Bedingt durch die Veränderung in unseren „Wasserqualitäten“ hat sich auch die Lebensweisen des Zanders verändert. Veränderung heißt nicht zwangsläufig eine Verbesserung, für das Leben unter Wasser. Wir haben in unseren Flusssystemen zwar deutlich klareres Wasser, bedingt durch den Wegfall von industriellen- und landwirtschaftlichen Einleitungen, aber dies bedeutet auch ein geringeres Nährstoffaufkommen. Damit schwindet die Gesamt-Biomasse. Einige Fischarten gedeihen seit dem prächtig, besonders auffällig ist die Zunahme von Hechten, Schleien und Rotfedern in der Havel. Aber das in der Vergangenheit hohe Aufkommen von Brassen, Güstern und auch Zandern erscheint uns Angler rückläufig. Nun ist es nicht so, dass ausgewachsene Zander nicht im klaren Wasser leben können, aber die lichtscheue Zanderbrut kommt damit nicht klar. Damit ist eine durchwachsene Alterspyramide nicht mehr aufrecht zu erhalten. Darauf haben wir natürlich keinen Einfluss. Wir können nur noch auf trübe/nährstoffreichere Gewässer ausweichen oder aber uns auf die letzten ausgewachsenen Fische konzentrieren.

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Über das Jahr gesehen mache ich beides. In den warmen Monaten fische ich gern mit Gästen in unseren sogenannten Endseen. Das sind Nebengewässer die diese entscheidende Trübung noch aufweisen. Hier lassen sich noch regelmäßig mittlere, junge und auch gelegentlich mal ein besserer Zander überlisten. Für meine eigene Angelei reicht mir das übers Jahr gesehen aber nicht aus. Ich brauche auch immer wieder den harten Tock eines kapitalen Fisches.

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Wie gesagt, nun lassen sich diese Fische aber nicht von den Bäumen schütteln. Viele Versuche in den warmen Monaten, vom Boot aus  in den Dämmerungsstunden verliefen recht erfolglos. Ebenso brachte mich moderne, flache Angelei mit Wobbler nicht weiter. Ich suchte sie auf der klaren Havel immer wieder, vergebens. Es gibt sie aber, Beifänge beim Wallerspinnfischen oder Fänge von Urlaubsgästen beim Ansitzangeln beweisen es. Vermutlich leben die letzten großen Glasaugen im Sommer als reine pelagische Räuber, die sich ihre großen Beutefische aus dem Freiwasser holen. Bis heute bin ich ihnen hierbei aber nur selten auf die Schliche gekommen.

Die Wende in meinen Erfolgen brachten erst, die Fänge einiger Fische in der dunklen, kalten Jahreszeit. Anfangs nur sehr sporadisch aber dann doch regelmäßig konnte ich jetzt auch gezielt kapitale Zander fangen.

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Die Bedingungen müssen richtig hart sein, ab Ende Oktober bis zum Eisgang, am besten bei Sturm und Schneetreiben. Aber noch viel entscheidender ist die Wahl der Angelzeit, helle Tagesstunden sind bei mir uneffektiv. Erst nach Einbruch der Dunkelheit steigen die Chancen auf einen richtig dicken Zander. Viele Angler scheuen diese Zeit und Bedingungen oder glauben schon gar nicht mehr an einen Zander an Ihrer Hausstrecke, aber dies ist ein Irrglaube. Im Laufe der Jahre habe ich viele Bereiche und Stellen der unteren Havel beangelt und konnte feststellen das es überall „einen“ Fisch zu fangen gibt. Spannend finde ich auch das Auftreten einiger Doppelfänge, selbst an entfernten Stellen.

Meine Gerätschaften halte ich einfach, eine typische moderne Zanderrute mit einer Länge von 2,70m für die Uferangelei. Dazu gehört eine 4000 Stationärrolle mit einer glatten 10kg geflochtenen Schnur und einem 0,40mm Fluo Vorfach. Bei den Köder greife ich gern zu schlanken  Gummifischen, z.B. bei Keitech auf Größen bis 15cm, in letzter Zeit haben mir auch die kleineren Monkey Lures große Fische beschert.  Auch bei der Köderführung kann man das Rad nicht neu erfinden. Die bekannte Faulenzermethode mit langsamen Sprüngen löst häufig den Schlüsselreitz aus.

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Die Wahl der Angelstelle bleibt natürlich ein wichtiger Faktor. Große Einzelfische legen sich gern in kleinen Rinnen, Kuhlen und Kehrströmungen ab, wenn sie dort dem Strömungsdruck ausweichen können. Diese kleinen Strukturen müssen wir natürlich genau kennen. Auch wenn wir dort zB. im Sommer vom Boot aus nie einen Zander fangen können, heißt das nicht, dass dort im Winter nicht der Zander unseres Lebens steht.

Deshalb speichere ich mir schon im Sommer bereits eventuelle, potentielle Standplätze  ab. Im Dezember, bei -2°, abends um 21.00 Uhr suche ich diesen kleinen Platz  wieder auf. Einige dieser Stellen fahre ich schon seit Jahren an, häufig erschienen sie mir absolut fischleer und dann kommt der Tag, an dem die Rute einfach krumm geht.

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Zanderangeln ist kein Hexenwerk, es erfordert in vielen Fällen nur knallhartes Durchhaltevermögen. Geht doch mal im Winter auf Eure tot geglaubten Stecken und zieht es durch.  Viel Erfolg !

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